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Da
Rudi immer noch in Thailand weilt und es mir gesundheitliche Gründe nicht
erlauben, selbst ein Fahrzeug zu lenken, es jedoch Events gibt, die man einfach
nicht auslassen kann, wird Conny zum Chauffeur auserkoren, um mich aufs Treffen
der Blue Knights ins Burgenland zu bringen. Mit dem PKW. Gewohnt, dass ab der
Autobahnabfahrt beschildert ist, werde ich stutzig, als an der üblichen Stelle
kein Hinweis zum Festplatz prangt. Auffallend auch, dass uns, während wir
suchend nach einem Hinweis durch den Ort zuckeln, kein Motorradfahrer überholt.
Der Eintrag im Bikerkalender besagte: "Gemeinde-Grillplatz" - doch wo
ist der? Und wie lautete die angegebene Kontakt-Tel.? (Ich nehme mir meinen eigenen
Rat zu Herzen und schwöre mir, künftig stets brav die Telefonnummer
des Veranstalters mit mir zu führen!)
Mit Connys neuem Handy gelangen wir sogar grenznah ins Internet. Mühevoll
wird das riesige Kalenderblatt aufs kleine Display gezwungen. So kriegen wir mit
Hilfe moderner Technik die Info-Tel. heraus und rufen an. Nächster Niederschlag:
Keiner hebt ab.
Also versuchen wir es mit herkömmlichen Methoden: fragen an der Tankstelle.
Die Einheimischen zeigen sich kompetent: "Foast grodaus weida, dann kummt
rechts a Wegerl, des nehmts net. Dann kummt a Linkskurvn und in dera is a Wegerl
rechts eini, da fahrst eini. Dann geht's links, rechts, links, rechts
"
Die Hand des freundlichen Informanten beschreibt Auf- und Abbewegungen zugleich
mit Links-Rechts-Schwenkern.
Obwohl wir zuerst skeptisch sind, entpuppt sich die Wegbeschreibung als eine
der genauesten, die ich jemals bekam. In der besagten Links-Kurve sticht ein gelber
Luftballon ins Auge sowie das altbekannte Schild mit dem Wappen der Blauen Ritter.
Malerisch schlängelt sich das einspurige Asphaltband über sanfte Hügel
- es regnet nicht und unsere Laune hebt sich - bis es abrupt in einen recht durchweichten
spurrilligen Feldweg übergeht, der an einem gelben Sonnenschirm in eine Wiese
mündet. Wir haben's geschafft!
Klicke, um zu vergrößern:
Beim Begrüßungsstamperl, das wir gerade noch vor dem wieder einsetzenden
Leichtregen schaffen, ist die Freude über das Wiedersehen groß. Viele
haben ob den seit Tagen herrschenden Unwettern vorgezogen, mit Blechdach zwischen
zwei Spuren anzureisen. Die Motorräder sind in der Minderheit.
Der "Grillplatz" liegt weit außerhalb von Nickelsdorf, umgeben
von sanften Hügeln mit saftigen Wiesen mit Kühen drauf, ideal, um die
eher im Hintergrund untermalende Dosenmusik auch mal hochfahren zu lassen. Eine
Handvoll Zelte einiger besonders Wagemutiger oder speziell ausgerüsteter
zählen wir, die sich trauen, trotz angekündigter weiterer Unwetter zu
campen. Dazu zählen auch jene, die die weite Anreise aus Erfurt auf sich
genommen haben.
Bunt gemischt sind die Festlbesucher. Andersfarbige und ritterblau gehaltene
Kutten halten einander die Waage, dazwischen einige Freebiker.
Nach dem langen Plausch am Sonnenschirm plagt uns der Hunger. Grillwürstel
mit Grundbirn' und Chili bietet sich an. Wir wählen ersteres, dazu kosten
wir das wohl schärfste Ketchup, das mir je untergekommen ist.
Eine Regenpause wird sofort genützt, um die Schubkarre und die blickdichte
Brille zum Renneinsatz klar zu machen.
Da Conny diesmal die Fotos schießt, werd ich mit Ronny zum Mitmachen
verdonnert. So einfach die ausgestreckte Strecke anmutet, so schwer wird sie,
wenn der Chauffeur nichts mehr sieht und auf die Zurufe seiner Ladung angewiesen
ist. Es ist ein riesen Spaß. Auch die Kinder tun mit, wenn auch mit etwas
Unterstützung in der Seitenlage - zur Sicherheit.
Die Sonne, verborgen hinter dicken Wolken, ist stark genug, um die Feuchtigkeit
aus dem Boden zu treiben und nebelartig aufsteigen zu lassen, was der Landschaft
einen mystischen Hauch verleiht. Ob der herrschenden Lage entschließen wir
uns, früher aufzubrechen als geplant. Während der letzten 5 km zurück
in Wien geht ein Wolkenbruch nieder, von dem wir hoffen, dass es sich um eine
regionale Entladung des Himmels handelt. Somanch ein Zelt würde unter derartigen
Wassermassen kläglich versagen.
Dennoch war es ein erhebendes, aufbauendes Gefühl, nach so langer Zeit
ein paar Stunden mit alten Freunden und neuen Bekanntschaften zu verbringen und
ein weiteres Blue-Knights-Treffen zu erleben, das trotz widriger Wetterumstände
im echten Sinn von "back to the roots" dank vorhandener regendicht überdachter
Fläche sein eigenes, gemütliches und gelungenes Flair verströmte.

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