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Bei
geschätzten 35 °C schwingen wir uns in den Sattel und fahren ins Burgenland,
auf den Kleylehof bei Nickelsdorf, hart an der Grenze zu Ungarn. Gegen 17 Uhr
treffen wir ein. Es tut sich nicht viel auf dem 4. Bikerfest der Blue Knights
III (der internationalen Vereinigung von Motorrad fahrenden Exekutivbeamt/inn/en).
Zwar sieht man unter den Gästen neue Gesichter und Patches, doch der rege
Zustrom - so hofft man - würde in den kühleren Abendstunden einsetzen.
Auch die Konkurrenzveranstaltungen an diesem Tag sind schwerwiegend: Donauinselfest,
das WM-Fußballspiel Deutschland - Schweden und einige andere Bikerfeste
im Großraum, gepaart mit Sonnenglut und Hitze, die die Menschen eher ins
Freibad treibt, als in die Lederkluft und aufs Motorrad.
Als sich die Sonne dem Horizont zuneigt, beginnen die Bikerspiele mit dem Brettllaufen.
Kaum ist das Seilziehen gestartet, trifft noch eine Delegation der Schwechater
Echt'n ein, allen voran Präsi Andi. Wer "Die Echt'n" kennt, weiss
dass sie für jeden Spaß zu haben sind und vor allem bei Bikerspielen
stets mit großem Einsatz und Gaudi dabei sind. Also: Das Seil her und mitgezogen!
Zwischendurch fällt uns die neue Ausgabe ihrer Clubzeitung in die Hand.
Wir kommen nicht dazu, sie zu lesen. Wir nehmen uns vor, Andi später zu fragen,
ob er noch ein Exemplar dabei hat, das er uns überlassen kann - doch dazu
kommt es an diesem Tag nicht mehr.
Andi
und sein Kumpel kämpfen sich dem Finale entgegen. Die drei Frauen am anderen
Ende des Seils fordern all ihre Kräfte. Als taktische Finte legt Andi das
Seil um einen - wie alle glauben - zwar unter der Krone abgeschnittenen, aber
noch fest verwurzelten dicken Baum. Die Gegner lassen nicht nach - das Team der
Echt'n noch weniger.
Plötzlich schwankt der Baumstamm
er neigt sich
er fällt
Einige Hundert Kilo Holz stürzen auf Andi und werfen ihn gegen den hinter
ihm am Boden liegenden zweiten Baumstamm. Andis Körper ist zwischen den riesigen
Stämmen eingequetscht.
Die Helfer sind sofort zur Stelle. Zu fünft hieven sie das schwere Holz
von Andis Körper. Am Platz ist es sekundenlang still. Nur Andis gleichmäßiges
Stöhnen ist zu hören.
Dann werden Notrufe abgesetzt. Ein PKW fährt der Rettung entgegen, um
sie zum entlegenen Unfallort zu lotsen. Ein Hubschrauber wird angefordert. Zwei
Landeplätze werden vorbereitet. Die Rettungskette funktioniert perfekt.
Andi liegt regungslos am Boden, umringt von seinen Freunden, die ihm Luft zufächeln,
ihn mit nassen Tüchern kühlen und beruhigend mit ihm reden. Mehr können
sie nicht tun.
15
Minuten später trifft die Rettung ein, drei Minuten danach der Notarzt. Der
Helikopter der Flugrettung ist unterwegs und landet kurz darauf.
Doch bevor Andi damit abtransportiert werden kann, dauert es ca. eineinhalb
Stunden. Sein Zustand muss stabilisiert werden. Der Notarzt, die Sanis und Helfer
arbeiten fieberhaft. Andi stöhnt jetzt nicht mehr. Die Narkose wirkt.
Endlich wird er zum Hubschrauber gebracht. Endlich hebt der ab und entschwindet
im Nachthimmel.
Es dauert lange, bis sich die Anwesenden vom Erlebten halbwegs erholen. Festl
feiern will keiner mehr.
Gegen 23 Uhr ruft Mad Max, Präsident der Blue Knights III, in die Halle.
Er teilt mit, dass sich Andi außer Lebensgefahr befindet und sein Zustand
stabil ist, dass er eine Lungenverletzung und Rippenbrüche abbekommen hat,
aber seine Wirbelsäule in Ordnung ist. Im Sinne von Andis Motto "The
Show must go on" soll nun die Band spielen - und die beginnt mit Andis Lieblingssong
"Country Road".
Doch die bei den Blue-Knights-Festln übliche gute Laune will selbst mit
musikalischer Unterstützung nicht mehr so recht aufkommen. Auch wenn inzwischen
meist wieder über andere Themen als den Unfall geplaudert wird - in Gedanken
ist wohl jeder bei Andi.
Wir wünschen Andi auf diesem Weg von ganzem Herzen eine schnelle und komplikationsfreie
Genesung und seiner Familie und Freunden viel Kraft, um ihn dabei zu unterstützen.

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