Wo
Hase und Igel sich "Gute Nacht" sagen
Blue Knights Austria Chapter III
5. 7. 2003
Es
war ein schneller Entschluss von uns, zu den Blue Knights ins Burgenland zu fahren,
dem ersten Bikerfest des Chapters III. Zuerst war das Treffen in Siegendorf angesetzt,
dann in Gols. Doch auch Exekutivbeamte haben es schwer, wenn es darum geht, ein
Plätzchen zu finden, wo sich Anrainer durch laute Musik und Motorengeräusche
nicht gestört fühlen - sie fanden es schließlich in der Nähe
von Nickelsdorf im "Kleylehof".
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Das
Anliegen, welches einem Künstler gehört, ist wie geschaffen für
ein Festl. Fern der Zivilisation liegt es im Grenzgebiet, mit Halle und Lagerfeuerstelle,
Campground im Maisfeld und ausreichendem Parkplatz. Zur Begrüßung gibt
es Schnapserl und Kondome!
Mittags ist es noch ruhig. Nach und nach trudeln sie ein: die geladenen Gäste,
zu denen die Mitglieder der anderen drei Chapter gehören, die Clubs aus der
Umgebung und von weiter weg (Black Bisons, Die Echtn und Six Aces, um nur einige
zu nennen), aber auch einige Free Biker und interessierte Nicht-Biker aus der
dörflichen Umgebung. Wir überlegen, ob alle vier Chapter der Blue Knights
auch in weiblicher Form vertreten wären, gehen auf die Suche und werden tatsächlich
fündig.
 
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Die
Speisekarte ganz kurz, dafür der Genuss umso größer. Gulaschsuppe,
Bratwürstel und Kotelettes vom Feinsten. Der Reinerlös des Festels kommt
nicht der Clubkassa sondern Wolfi und der Tagesheimstätte für Behinderte
in Zurndorf zugute. Da geht man doch gerne noch einmal an die Bon-Kassa und füllt
die Streifen in der Tasche auf.
Wolfi
ist der Star des Tages. 14 Tage ist es her, dass er in Dublin bei der Behinderten-Olympiade
die Goldmedaille im Tennis errungen hat. Es ist seine vierte, denn auch im Tischtennis
ist er Meister. Das und sein Geburtstag in zwei Tagen wird natürlich gebührend
geehrt und gefeiert.
Während es - wie wir von Neuankömmlingen erfahren - in Wien in Strömen
gießt, geht über dem Kleylehof nur ein kurzer Schauer nieder. Wie bestellt
kämpft sich für die Bikerspiele die Sonne durch die graue Wolkenschicht
und dann geht es heiß her. (Man sollte gar nicht glauben, wie verspielt
Exekutivbeamte sein können!)
Wenn ein Mann, dem die Sicht genommen ist, auf die Anweisungen einer Frau hören
muss, kann er schon vom Weg abkommen und im ungemähten Dickicht landen. Mit
viel Kraft und eisernem Willen findet er aber auch schnell wieder herraus.
 
Ein
Motorrad auf der Straße zu lenken, ist für Biker eine alltägliche
Sache - doch mit einem Bier durch ein Feld zu kurven, ist nicht so einfach, auch
mit Rückspiegeln und Blinkern nicht! Zum Schluss will das Bier noch getrunken
werden und das alles möglichst schnell. (Wer kein Bier wollte, bekam Almdudler
- ein feiner, vernünftiger Zug der Veranstalter!)
Erbitterte Kämpfe beim Reifenziehen. Ruhm und Ehre wird unter Clubmitgliedern
und Free Bikern gleichermaßen heftig verteidigt. Auf die Sieger warten tolle
Eigenbaupokale!
Die sonst bei Bikerfesten übliche gemeinsame Ausfahrt steht nicht auf dem
Programm - sie geht auch keinem ab! Wären die angeregten Unterhaltungen doch
nur unnötigerweise unterbrochen worden - und jene, die von weiter her kommen,
sind froh, aus dem Sattel zu steigen, ihr Zelt aufzubauen und sich am Buffet laben
zu können.
Abends
begrüßt Präsi "Mad Max" offiziell die anwesenden Clubs,
Freebiker und Festbesucher. Er stellt das erste Bikerfest der Blue Knights III
unter das Moto: Besseres Miteinander der Blue Knights mit anderen Clubs und besseres
Verständnis zwischen (Zit.) "Kiberern und Bullen" und den Freebikern
sowie der Bevölkerung.
Er freut sich, dass trotz des schlechten Wetters so viele der Einladung der Blue
Knights III gefolgt sind.
Es wird Abend und wir sitzen - entgegen unserer Gewohnheit, vor Sonnenuntergang
nach Hause zu fahren - immer noch da, plaudern und genießen die urgemütliche
"Back-to-the-Roots"-Stimmung.
Draußen
unter dem großen Vordach kann man sich gut unterhalten, während drinnen
in der Halle die Band die Stimmung aufkocht.
Es steht noch der Burn-Out-Wettbewerb, die Tombola und die Preisverleihung an.
Wir hören unsere Motorräder aber schon bis herüber mit den Reifen
scharren, machen uns langsam ans Verabschieden und auf den Heimweg.
Tagesausklang
eines gelungenen, ruhigen, erholsamen Bikerfestes zwischen Skulpturen und Riesen-Lagerfeuer.
Wir können uns den Worten von Alf, dem Präsi der Blue Knights I, nur
anschließen: "Jeder selbst schuld, der nicht dabei war!"
Unsere Gedanken bei der Heimfahrt sind diesmal nicht bei den Noch-Festl-Feiernden,
sondern bei den unzähligen Hasen, die am Straßenrand lauern und von
denen einer unbedingt unter unseren Reifen Selbstmord versucht - was ihm glücklicher
Weise aber nicht gelingt. Auch der kleine Igel auf der Fahrbahn in Nickelsdorf
kommt mit dem Leben davon. Sie können einander an diesem Abend "Gute
Nacht" sagen, während die Biker im Kleylehof das wohl nicht so schnell
getan haben!

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