Kurz
nach 11 Uhr 30 setzt sich der Konvoy in Bewegung. Als er in die Triester Straße
einbiegt, schließt sich eine große Gruppe aus dem Süden kommend
an. In Zweierreihe geht es weiter über die Mittelspur des Gürtels, wo
ein paar hundert Motorräder schon einiges Aufsehen erregen. Im Linksabbiegen
beim Verlassen des Gürtels, stößt der Tross aus dem Norden dazu,
der sich ampelphasengesteuert mit der Hauptgruppe vermischt und bei traumhaftem
Wetter die Serpentinen der Höhenstraße in Angriff nimmt.

Der
halbe Parkplatz am Kahlenberg ist für Motorräder reserviert. Er reicht
bald nicht mehr aus. Um 14 Uhr sind auch die wenigen Autos von Zwei- und Dreirädern
umschlossen. Und immer noch treffen Gruppen oder Einzelfahrer ein - es ist unglaublich!
Aus ganz Österreich haben sie sich durch Schlechtwetterfronten gekämpft,
um bei Kaiserwetter in Wien anzukommen. Wir entdecken Herbert. Um 4 Uhr Früh
ist er in Dresden (D) losgefahren. Morgen muß er wieder zu Hause sein.
Im
großen Saal des Restaurants hat bereits eine Abordnung der "Plattform
Motorrad" an den langen Tischen Platz genommen. Ernstl Graft jun. begrüßt
als Sprecher der Plattform die Anwesenden. Er hat eine interessante Rede vorbereitet,
führt uns in die Vergangenheit, als 1903 Johann Puch das erste Motorrad in
Österreich entwickelte. In der Folge gab es 300 eigenständige Motorraderzeuger
im Alpenstaat, die allerdings nach und nach aus der heimischen Wirtschaft verschwanden.
Das gibt zu denken!
Ernstl streift Statistiken, beleuchtet den wirtschaftlichen Aspekt, spricht über
veraltete Kischeevorstellungen der breiten Masse und dass es höchte Zeit
ist, diese zu ändern. Er stellt die Plattform Motorrad vor, die sich als
kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen zum Thema "Motorrad"
versteht. Seine Worte sollten über Lautsprecher in die anderen Säle
und ins Freie übertragen werden. Doch die Technik versagt. Viele müssen
in Einzelgesprächen nachinformiert werden.

Ernstl versucht, die "Vielfalt Motorrad" zu erklären. Diese
Vielfalt findet sich in den Vertretern der einzelnen Segmente der Plattform wieder,
die sich nach seiner Rede persönlich vorstellen: Blacky von Biker in Östereich,
Hömal von den Hells Angels, Schmidl von der ÖBU, Alf von den Blue Knights,
Ice von den Outsider, Andreas von der Firma Louis, Ferdinand Fischer von ARGE
2-Rad, "Bart" von den Rusty Beards, Kurtl vom BNN, Gerhard Malzer von
der Fahrschule Easy Drivers von der WU, Romana von der MAG, Andreas Werth vom
Reitwagen, Roland Berger von Honda und Tjaky von der Bikerwelt - um nur einige
zu nennen.
Danach
stellt sich Barbara Schöfnagel (Gemeinderätin, Motorradfahrerin, selbstfahrend)
in Vertretung des Bundesministers für Verkehr, Hubert Gorbach (FPÖ),
ans rosa Rednerpult. Sie überbringt die Grußworte und die Nachricht
des Ministers: "... werden daher die Anliegen wie Wechselkennzeichen, Typisierungserleichterungen
und Busspur positiv und rasch behandeln."
Anschließend
richtet SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder das Wort an die ca. 1.750 Anwesenden.
Er erinnert an die Petition, die von den "MotorradfahrerInnen für Veränderungen"
bei der Herbst-Demo abgegeben und nun als solche ins Parlament eingereicht wurde.
Auch er zeigt sich kooperativ und versichert den MotorradfahrerInnen ein offenes
Ohr für ihre Anliegen, was vom Publikum mit heftigem Applaus und Freudenpfiffen
quittiert wird.
Ebenso wie ihre beiden Vorredner bietet NR-Abgeordnete Petra Beier (SPÖ),
welche Grüße des Wiener Bürgermeisters und des Verkehrs-Stadtrates
Rudolf Schicker überbringt, die Gesprächsbereitschaft mit der Plattform,
als geschlossenes Sprachrohr der Motorradfahrer Österreichs, an.
Ernstl schließt, zufrieden mit den erfreulichen und optimistisch stimmenden
Wortmeldungen von Seiten der Bundespolitik Österreichs, mit einem herzlichen
Dank an alle, die gekommen sind, den offiziellen Teil der Pressekonferenz ab.
Während sich die ersten auf den Heimweg machen, nehmen andere ein Sonnenbad,
genießen den herlichen Ausblick über Wien oder verlieren sich in Bezinplaudereien.
Auch Herbert hat neue Freunde in Wien gefunden.
 

 
Wir danken im Namen der "Plattform Motorrad"
allen PolitikerInnnen, die ihre VertreterInnen zum "Aktionstag Motorrad"
entsandten, sich an der Diskussion beteiligten und uns konstruktive Zusammenarbeit
anboten.
Unser Dank ergeht ebenfalls an alle Biker und Triker, die in ihrer Gesamtheit
diszipliniert und ohne den Verkehr zu behindern den Weg auf den Kahlenberg gefunden
haben, an der Veranstaltung teilnahmen und den Parkplatz in einem so sauberen
Zustand verließen, dass das nach der Veranstaltung bereitstehende Putzkommando
gar nicht zum Einsatz kommen brauchte.


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