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Es
war wieder dieser 3. Sonntag im Juni, ein Tag den viele Kinder herbeisehnen, ein
Tag an dem die Biker zeigen, dass sie keine ignoranten Arschlöcher in Lederoutfit
auf ihrem depperten Motorradl sind. [Protest der Bikerwelt: Das sind wir
an den anderen 364 Tagen des Jahres auch nicht!] Dieser 3. Sonntag im Juni
ist seit 2006 der "Tag des Motorrades" - © LH Erwin Pröll.
Für uns Biker ist jeder Tag Tag des Motorrades, aber an diesem Tag wissen
es auch andere, die mit Motorradfahren nichts zu tun haben. Straßen werden
gesperrt, von der kleinen Nebengasse angefangen über Bundesstraßen
- heute sogar die S1 und die A1 - damit wir mit unserem Konvoi mit insgesamt 2960
Bikes ungehindert auf die 3. Spur der A1 gelangen und diese erst bei Loosdorf
wieder verlassen.
2960
Zweiräder, diese Zahl wird von drei unabhängigen Messpunkten gezählt.
Ab hier geht es über Landstraßen weiter. In den kleinen Ortschaften
steht, so scheint es, die komplette Bevölkerung vom Kleinkind bis zur Uromi,
am Straßenrand und winkt uns zu. Sie freuen sich mit uns, denn was wir hier
tun, hilft Heim- und auch schwerbehinderten Kindern ein Gefühl des "Nicht
Alleingelassen" zu vermitteln. Kindern denen das Schicksal schwer mitgespielt
hat oder jenen die von Geburt an ein schweres Los zu tragen haben, dürfen
sich heute so richtig freuen. Jeder Teilnehmer hat 10, jeder Beifahrer 5 Euro
als Startgeld bezahlt. Nebenbei bringt jeder ein Spielzeug mit, daher der Name
"Toy Run".
Ziel
ist heuer das Kinderjugendheim Reichenauerhof in Waidhofen an der Ybbs. Bereits
1999 war die Toy Run hier. Schon damals gab es Platzprobleme. Heuer ist das nicht
so, denn es ist der komplette Hauptplatz mit Heurigengarnituren gepflastert. Das
einzige Manko sind die nicht vorhandenen Sonnenschirme und der stechende Sonnenschein.
Doch was macht das schon? Wir sind für die Kinder hier und nicht um zu raunzen.
Der Fußmarsch von den abgestellten Bikes zum Hauptplatz führt uns durch
die halbe Innenstadt und wenn man sich etwas umschaut, erkennt man auch die Schönheiten
des Ortes. Am Fuße des Wehrturmes haben sich die Ausschankzelte angesammelt,
an denen man auch ziemlich rasch das Gewünschte bekommt. Allerdings sind
die Speisen kühl und die Getränke warm. 1 Liter Soda wäre besser
als 0,5 Liter Limo. Im Meer der Tische finden wir ziemlich weit vorne einen Platz
für alle unsere mitgekommenen Echt'n - immerhin 15 Personen - und wir haben
uns auch den einzigen Sonnenschirm, der zu finden war, besorgt. Ein herzliches
Dankeschön an die Trafik Mandl. Freundlich und nett hat die Chefin sofort
den Schirm spendiert. Zigaretten kauf ich jetzt nur noch dort. ;o)

Bis alle Biker eintreffen, wird über zwei Videowände
die Toy Run des Vorjahres gezeigt. Das Festprogramm eröffnet der Organisator
Ernst Graft, dessen Idee seit Jahren Wellen schlägt. Seit 2005 gibt es auch
eine Toy Run in Rumänien und es soll auch bald eine in Moldavien geben. Natürlich
von jemand anderem organisiert, doch für Fragen und Unterstützung steht
Ernstl und seine "Gelbjackencrew" zur Verfügung.
Die Kinder der Toy-Run-Ziele der letzten Jahre berichten über ihre Aktivitäten,
die sie mit den Spenden erleben durften. Ski fahren, Reiturlaube, Boot fahren
und einiges mehr. In Wort und Bild sowie über Power Point Präsentationen
werden ihre Erlebnisse eingespielt und die HeimleiterInnen oder BetreuerInnen
erzählen die nötige Info dazu. Als Draufgabe stehen Gesangsdarbietungen
und Tänze der Kinder, die sie monatelang einstudiert haben, am Programm.
Natürlich hat der eine oder die andere Lampenfieber, doch mit unserer Unterstützung
und dem starken Auftrittsapplaus verschwinden alle Ängste.
Auch der Bürgermeister und die Heimleiterin müssen auf die Bühne
und gemeinsam singen sie "Fia imma jung", nur den Refrain singen tausende
Biker mit. Gänsehaut!
Dem Höhepunkt jeder Toy Run fiebert jeder Anwesende entgegen. Wie viele sind
wir heuer und wie viel haben wir an Geldspenden zusammengebracht? Die Sachspenden
sind sowieso unübersehbar, ein LKW reicht schon lange nicht mehr aus.
Die
Kinder werden der Reihe nach mit Tafeln auf die Bühne geschickt ehe sie von
hinten beginnen diese zu drehen und nach oben halten. Für die Heimleiterin
kommt jetzt der wahrscheinlich adrenalingeschwängertste Augenblick ihrer
Karriere, denn sie steht mit dem Rücken zur Bühne und sieht auf eine
unübersehbare Menschenmenge. Das erste Kind beginnt mit dem Umdrehen des
Schildes - ein Zweier gefolgt von einem Einser, dann ein Komma, 851, der Punkt
für die Tausendermarke. Jetzt wird es ziemlich still am Hauptplatz von Waidhofen.
Letztes Jahr waren es 48tausend, bis zwei anonyme Spender die 50.000 voll machten.
Als das Mädchen das Schild dreht - ein Nuller erscheint - beginnt tosender
Applaus und Jubel bricht aus - neuer Rekord: 50.158,12 Euro - Tränen in den
Augen.
Die Heimleiterin braucht einige Zeit, um sich der Summe bewusst zu werden. Ernst
Graft, der von sich selbst behauptet altmodisch - nicht alt - aber altmodisch
zu sein, rechnet in Schilling um und kommt auf die stolze Summe von 690.190,78.
Stolze Summe - stolze Biker. Mit diesem sauguten Gefühl im Herzen etwas bewirkt
zu haben, verlassen tausende Zweiradfahrer Waidhofen an der Ybbs, um auch im nächsten
Jahr - am 15. Juni 2008, das Jahr der Fußball EM - wieder dabei zu sein,
wenn Ernstl Graft und seine Gelbjacken zur Toy Run rufen.
Der 15. Juni 2008 ist Fußballmäßig spielfrei - ein Zufall? Nein;
Bestimmung.
Text: Andi, Präsi der Echt'n Schwechat
TFotos: Andi, Präsi der Echt'n Schwechat und Toy-Run-Presseinfo
Als Dank für den Sonnenschirm schenken wir den Trafikbetreibern die ausgeteilten
Eintrittskarten für die NÖ Landesausstellung - die ist übrigens
auch in Waidhofen/Ybbs.
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