|
Als einziges "Kleidungsstück" gesetzlich vorgeschrieben. (Gesetzestext)
Schutzhelme dürfen nur noch angeboten werden, wenn das Zeichen ECE-R 22.04
eingenäht ist. Bauhelme, Stahlhelme usw. gelten nicht als Sturzhelme im Sinne
des § 1e KDV (Kraftfahrgesetz-Durchführungsverordnung) und dürfen
daher nicht verwendet werden.
Beim Kauf sind etliche Dinge zu beachten, deshalb sollte man sich ausgiebig Zeit
dafür nehmen. Immerhin soll er im Notfall nicht nur gut schützen, sondern
auch den Fahrspraß nicht verderben.
Sicherheit
Signalwirkung: Farbe
Verarbeitung: Material, Belüftung
Paßform: Sitz, Gewicht
Aerodynamik
Visir
Ein Neuer muß her!
Tipps zum Deckel
Exkurs: La Falappa
Sicherheit
Neben einer guten Stoßdämpfung (ruhig beim Anprobieren ein bißchen
draufschlagen!) ist auch ein sicherer Sitz wichtig. Was nützt der beste Helm,
wenn Fahrer und Kopfschutz sich bereits vor dem Aufprall mit dem Boden trennen?
Bei geschlossenem Kinnriemen darf der Helm nicht vom Kopf gezogen werden können.
Die
Außenschale wird entweder aus erhitztem Kunststoff in Formen gespritzt (Thermoplast)
oder aufwendig per Hand laminiert (Duroplast). Bei manchen Helmen sieht man mittig
eine feine Naht. Hier wurden zwei Halbschalen zusammengeschweißt - ein Verfahren,
dem man nachsagt, daß das Ergebnis weniger Sicherheit bietet als ganzschalige
Helme, die in der Regel jedoch teurer sind.
Offene (visirlose) Helme bieten unvollkommenen Schutz. Ein dicker Brummer, der
ins Gesicht platscht, schmerzt nicht nur, es ist auch nicht angenehm, wenn sich
Körper, Flügel und Gedärme über Wangen und Lippen verteilen.
Noch schlimmer, wenn er ins Aug einfährt! Nicht weniger schlimm als plötzlicher
Schreck sind dauerhafte Belästigungen, gegen die auch eine Brille nichts
nützt: Regentropfen, Insektenschwärme oder Staub - Störungen, die
die Fahrsicherheit beeinträchtigen.
Beim Sturz ist beim offenen Helm das Gesicht ungeschützt.
Vollvisirhelme mit breitem (!) Kinnteil bieten guten Schutz, besonders für
die untere Gesichtspartie, doch manchmal wird durch den schmalen Sehschlitz das
Sichtfeld stark eingeschränkt.
Helme mit übergroßem Ausguck schützen bei einem Unfall wiederum
schlechter.
Der Verschluß sollte einfach zu bedienen sein, damit im Notfall auch ein
Ungeingeweihter ohne Bedienungsanleitung den Helm abnehmen kann. Als sicherer
aber auch als umständlicher gelten jene Verschlüsse, bei denen man den
Riemen durch zwei Metallringe zieht, da der Kinnriemen jedesmal optimal festgezurrt
wird. Klickverschlüsse sind zwar einfacher zu bedienen, leiern jedoch aus,
was schleichend passiert und meist erst bemerkt wird, wenn der Riemen schon recht
locker sitzt.

Signalwirkung
(Farbe)
Motorradfahrer mit auffällig lackierten Helmen werden doppelt so früh
von anderen Verkehrsteilnehmern bemerkt als Träger dunkler Helme.
Optimal:
Orange, Gelb, Weiß
Gut: Rot
Weniger gut: Blau, Grün
Schlecht: Schwarz, Grau, Braun. (Mattschwarz ist übrigens ziemlich kratzempfindlich.)
Reflektierende Dekors erhöhen die Auffälligkeit bei Dunkelheit.
Keinen Lack oder Aufkleber auf unlackierte Thermoplast-Helme aufbringen! Die Helmschale
kann dabei porös und brüchig werden. Wer seinen Helm lackieren oder
airbrushen (lassen) will, sollte sich beim Spezialisten erkundigen, welches Modell
dafür geeignet ist.

Verarbeitung
Der
Helm darf keine scharfen Kanten haben und die Polsterung muß gut mit der
Schale verbunden sein.
Er sollte verschiedene Belüftungsmöglichkeiten haben. Nachträglich
Belüftungslöcher in den Helm zu bohren, verringert die Schutzwirkung
beim Sturz.

Paßform
Zu schwere oder zu kleine Helme können Druckstellen an Stirn und Schläfen
erzeugen, die bei längeren Fahrten zu Kopfschmerzen führen können.
Der Helm darf also nicht zu fest, aber auch nicht zu locker sitzen.
Zum Helmkauf nen Kaugummi mitnehmen, Helm aufsetzen, probieren zu kauen. Paßt
der Helm optimal, muß man sich beim Kaugummikauen leicht in die Wangen beißen.
(Herzlichen Dank dem Oliver M. für diesen Tipp!)
Ist eine Vorauswahl gefallen, sollte man den neuen Hut mindestens 10 Minuten aufbehalten
- noch besser: eine viertelstündige Probefahrt damit machen. (Manche Geschäfte
erlauben das!) Dann merkt man gleich, ob's irgendwo scheppert, zieht oder bei
Kopfbewegungen drückt.
Brillen- und Sonnenbrillenträger müssen den Helm auch mit Brille probieren!
Einer, der ohne super paßt, drückt uU. mit Brille.
Apropos Brille: Es empfiehlt sich, ein "unkaputtbares" Brillengestell
zuzulegen, da eine normale Plastik- oder Metallbrille bei einem Sturz im Helm
keine "Ausweichmöglichkeit" hat und Bruchstücke in Haut oder
Augen einfahren können.

Visir
Ausprobieren, ob es - auch mit Handschuhen! - noch leicht mit einer Hand zu öffnen
ist.
Es
sollte möglichst stufenlos oder in sehr kleinen Stufen zu öffnen sein.
Mußt du das Visir bei Regen offen lassen, damit es nicht beschlägt,
dringt durch einen großen Spalt viel Wasser ein. Bist du dann auch noch
Brillenträger, wird eine Regenfahrt zum Blindflug!
Von getönten oder dunklen Visiren ist abzuraten. Während der Dämmerung
oder bei Nachtfahrten beeinträchtigen sie die Sicht ebenso wie beim Durchfahren
eines Tunnels.
Zerkratzte Visire müssen schleunigst ausgetauscht werden, da bei Nacht und
Nebel die Gefahr besteht, daß die Kratzer Licht stark zerstreuen und der
Träger vom eigenen Visir geblendet wird.
Beim Helmkauf gleich erkundigen, ob Visire leicht lieferbar sind und wievliel
eines kostet. Man kann diesbezüglich ganz schöne Überraschungen
erleben!

 Aerodynamik
Kanten und Seitenruder, im Rennsport entwickelt, bereits am Helm vorhanden oder
im Handel zum nachträglichen Aufkleben erhältlich, werden im normalen
Straßenverkehr bei 130 km/h wenig bringen. Sie dienen eher der sportlichen
Optik.
Ein
Neuer muß her!
Solange er noch äußerlich passabel aussieht, gibt man ihn ungern her
- hat er sich doch im Lauf der Zeit mustergültig an den Schädel angepaßt.
Doch wie sehr nagt der Zahn der Zeit am Kopfschutz?
"Mopped"
(Ausg. 10/2000) gab 13 bis zu 20 Jahre alte Helme ins Labor zum Belastungstest,
um Dämpfungswerte auf dem Fallprüfstand zu ermitteln. Die Ergebnisse
waren besser als erwartet und entsprachen in den meisten Fällen fast dem
Niveau neuer Helme.
Wenn sich das Innenleben nach jahrelangem Begleitschutz noch nicht auflöst,
heißt das allerdings nicht, daß der Helm sicher ist. Beschädigungen
und Mängel entziehen sich oft dem Auge des Betrachters.
Je nach Nutzung sollte er alle 2 - 5 Jahre durch einen Neuen ersetzt werden.
Nach einem Sturz ist der Helm in jedem Fall dann in Pension zu schicken, wenn
er dabei aufgeprallt ist, auch dann, wenn äußerlich keine Schäden
sichtbar sind. Denn bei einem zweiten Sturz schützt er möglicherweise
nicht mehr!
Versicherungstechnisch gilt ein Helm als nicht mehr sicher, sobald er einmal runtergefallen
ist!

Tipps
zum Deckel:
- Nur sanfte Mittel zum Säubern verwenden:
Wasser, Seifenlauge oder einen speziellen Helmreiniger
- Das Verschluß-System nicht mit
Fett oder Öl schmieren. Besser mit Vasline. Öfers prüfen, ob Schloß
und Riemen in Ordnung sind. Keinesfalls selbst tauschen!
- Der Helm darf nicht mit Benzin oder Benzindämpfen
in Berührung kommen - also Helme nie am Tankdeckel ablegen!
- Besonders unlackierte Polycarbonat-Helme
sollen nicht unnötig UV-Licht ausgesetzt sein.
- Helmhalterungen befinden sich am Motorrad
oft über dem Auspuff - eine Stelle, an der sich die Helme, besonders nach
der Fahrt, nicht befinden sollen. Große Hitzeeinwirkung schadet der Polystyrol-Innenschale!
- Alte Helme sind kein Sondermüll,
sie dürfen in den Hausmüll.
- Helm abnehmen in Tankstellen, Geschäften
und - vor allem in Banken!
Weiter
zum ÖAMTC-Helmtest
Exkurs: La Falappa

Der Grundgedanke der herausnehmbaren Innenhaube ist eine feine Sache. Sie soll
Schweiß aufnehmen, den man dann leicht mit 60°C auswaschen kann, um
das Innenleben des Helmes hygienischer zu machen.
Leider klappt es nur, wenn man keine oder nur ganz kurze Haare hat. Lange Haare,
die vielleicht auch noch zu einem Zopf zusammengefasst sind, verheddern sich in
den Kletthaken. Das Ausziehen des Helms wird zur mühsamen Tortour.
www.lafalappa.it
|
|
|